Internet News 10-21 / Aktuelles: Kaum noch Holz für die Hütten

Kaum noch Holz für die Hütten

Wichtige Baumaterialien wie Multiplexplatten sind derzeit Mangelware – die Preise explodieren

Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Bezogen auf Baustoffe zeigt dieser ökono­mische Grundsatz derzeit sein düsteres Gesicht. Denn: Aufgrund von Material­mangel sind Holz, Dämm­material und Stahl so teuer wie nie.

Das Dilemma trifft sowohl die Baubranche und Handwerks­betriebe als auch Häusle­bauer hart. Erstere haben zwar volle Auftrags­bücher, können wegen Liefer­engpässen ihre Bau­stellen aber nicht fertig­bringen und müssen Mit­arbeiter teil­weise sogar in Kurz­arbeit schicken. Außerdem bleiben sie oft auf den deutlich höheren Material­kosten sitzen. Denn ein vor Monaten ver­ein­bartes Angebot kann die jetzigen Preise nicht abdecken und der Kosten­voranschlag darf in der Regel maximal um 15 Prozent über­schritten werden. Mehr­kosten darüber hinaus trägt der Hand­werker. Bau­herren wiederum müssen bei neuen Auf­trägen eben­falls mit deutlich höheren Bau­kosten und einem verzö­gertem Abschluss rechnen.

Gerade Holz wird auf dem Bau an vielen Stellen benötigt. Scha­lungen, ein Dach­stuhl, Treppen, Böden – die Liste ist lang. Ein Liefer­engpass hat erheb­liche Folgen. Denn kann ein Gewerk auf einer Baustelle nicht ab­ge­schlos­sen werden, kann ein anderes nicht beginnen. Im schlimm­sten Fall droht ein Still­stand auf dem gesamten Bau. Das betrifft nicht nur Familien, die mit einem knapp kalku­lierten Budget ein Einfami­lien­haus bauen, sondern auch den Miet­wohnungs­bau. Die höheren Baukosten werden sich wahr­scheinlich in den Mieten dieser Objekte wider­spiegeln. Das ist besonders in den ohnehin schon angespannten Immobil­ien­märkten vieler Großstädte ein Problem.

Doch warum gibt es hierzulande derzeit einen Mangel an Baustoffen wie Holz? Ist die Corona- Pandemie schuld? Oder wird mehr exportiert? Einkaufs­leiter Frank Nimz vom Berliner Holz- und Baustoff­händler Holz Possling erklärt: „Die Gründe für die Liefer­engpässe sind sehr viel­fältig. Die Pandemie ist nur ein Treiber. Im vergange­nen Jahr brach durch sie die Nachfrage plötzlich ein, die Produk­tionen wurden weltweit herunter­gefahren. Als die Nachfrage dann wieder stieg, konnte sie nicht bedient werden.“ Das lag beispiels­weise daran, dass Mit­arbei­ter in Säge­werken aufgrund von Infek­tionen mit dem Corona­virus und Quaran­täne­maß­nahmen ausfielen. „Die Liefer­ketten funktio­nieren auch heute noch nicht wie gewohnt. Viele Baufirmen haben inzwi­schen sogar damit angefangen, Material regel­recht zu horten. Das verschärft die Situation“, so Frank Nimz weiter.

Neben Corona führt der Einkaufsleiter auch die extreme Trocken­heit der vergange­nen Jahre als Grund für Holz­knappheit an, ebenso wie der derzeit hohe Export von Schnitt­holz nach China und in die USA. „Der Hunger nach europäischem Holz ist vor allem in den USA enorm“, sagt Frank Nimz von Holz Possling. „Die USA beziehen ihr Bauholz tradi­tio­nell eigent­lich aus Kanada. Begünstigt durch den Klima­wandel wütet dort allerdings seit einigen Jahren der Berg­kiefern­käfer und vernich­tete Baum­bestände in riesigem Ausmaß.“ Verschärft wird der Kampf ums Holz in Zukunft wohl zusätz­lich vom rus­si­schen Export­verbot für Nadel- und Laub­rund­holz, das Anfang 2022 in Kraft treten soll. Möglicher­weise wird sich die aktuelle Situation noch bis zum Jahres­ende fort­setzen. Ob sich der Markt anschlie­ßend rasch erholt, bleibt angesichts der vielen verschie­denen Einfluss­faktoren abzuwarten.

Quelle: www.handwerkerberlin.com